Der Komponist Jenö Hajdu


Bilder: Thomas Wozak - wozak.at


Sonntag, 4. März 2018 • 17.00 Uhr - Haus der Kultur Anif

Jenö Hajdu
Jenö Hajdu
  • Geboren 1969 in Budapest
  • Erster Klavierunterricht mit 10, erste Kompositionen mit 13, erster Orgelunterricht mit 16 Jahren
  • 1988 Matura und Studienbeginn im Fach Komposition an der Musikhochschule „Mozarteum“ in Salzburg. Soros-Stipendium (USA); „Thomas Fischer's Young Education Foundation“ (Schweden)
  • 1997 Diplomprüfung an der Hochschule Mozarteum im Fach Komposition, Sponsion zum „Mag. art.“
  • Verheiratet seit 1990, drei erwachsene Kinder
  • „Brotberuf“ seit 1998: Informatiker, Softwareentwickler
  • 2014/2015: 1. Preis beim internationalen Diabelli-Kompositionswettbewerb mit der selbst vorgetragenen Klavierkomposition „Irini = Friede“

Jenö Hajdu über seine Arbeit als Komponist:

„Meine musikalische Muttersprache ist das Klavier. Zwar durfte ich erst ab dem 10. Lebensjahr damit anfangen, wuchs jedoch rasch mit dem Instrument zusammen. Aufgrund meiner Lebenssituation bin ich ab meinem 14. Lebensjahr Klavierautodidakt. Mit 13 Jahren startete ich die ersten Kompositionsversuche, sie wuchsen aus der Improvisation am Klavier heraus. Bald stellte sich heraus, dass sich dahinter für mich sehr viel mehr verbirgt. Ab dem 16. Lebensjahr lernte ich auch Orgel.

Nach der Matura kam ich nach Österreich, um an der Hochschule Mozarteum Komposition zu lernen. Bis zu dieser Zeit hatte ich bereits an die 200 Klavierstücke komponiert. Hier wurde jedoch der Klaviermusik weniger Bedeutung beigemessen und mein Augenmerk auf Chor- und Kammermusik gelenkt. 20 Jahre lang habe ich danach so gut wie nichts für Klavier komponiert. Meine praktische Tätigkeit als Tasteninstrument-Spieler beschränkte sich immer mehr auf die Orgel. Ich arbeitete als Komponist hauptsächlich im Bereich der Kirchenmusik. Eine Messe, eine Passion, viele Kammermusik- und Chorstücke entstanden.

Der Wendepunkt kam 2014, als ich beim Internet-Voting des internationalen Komponisten-Wettbewerbes "Diabelli-Contest" unter die besten Zehn kam, die dann in einem Entscheidungskonzert im April 2015 im Münchner Künstlerhaus die eigenen Werke live präsentieren durften. Bei diesem Konzert wurde mir der 1. Preis zugesprochen. Dies war die Initialzündung, wieder für Klavier zu komponieren, da die Jury mich dediziert darum bat. Es würde, so die Jury, "auch noch heute neue, virtuose und anhörbare Klaviermusik benötigt".

Meine Klavierwerke sind fast ausnahmslos sehr virtuos. Ich möchte betonen, dass es keine Absicht meinerseits ist, Unspielbares zu erschaffen. Die Stücke werden automatisch so, sie entstehen organisch beim Spielen am Klavier. Ich schreibe jedes Klavierstück so, als wäre es mein einziges. Deshalb sind große Emotionen, eine schier unendliche Dynamik und hohe technischen Schwierigkeiten so gut wie in jedem Stück vorhanden. Die Werke sind kurz - mein längstes einsätziges Klavierstück ist gerade mal 5 Minuten lang. Unerträgliche, dauerhafte, harsche Dissonanzen, besondere Techniken wie Sitzen auf den Tasten, Saitenzupfen, oder Präparieren des Instrumentes verwende ich nicht. Meine Klaviermusik ist eigentlich gut hörbar, sie ist für jeden zugängig, der eine grundsätzliche Offenheit gegenüber Neues besitzt.

Wirklich gute Musik sollte meiner Meinung nach von Gott inspiriert sein, dies bietet dem Komponisten eine Art Sicherheit, was den Inhalt und die Aussage des Musikstücks betrifft. Es bedarf jedoch zusätzlich die Handschrift und den uneingeschränkten Einsatz des Komponisten, um daraus ein - durch eigene Lebenserfahrungen und einen unverwechselbaren Stil geprägte - Unikat, das WERK, zu schaffen. Solche Musik hat kathartische (also reinigende) Wirkung auf den Zuhörer. Sie ist nicht geeignet, "nebenbei" gehört zu werden, sondern erfordert auch vom Zuhörer eine hohe Konzentration. Im besten Fall wird die Musik ihn aufrütteln, zum Nachdenken bewegen. Es kann sein, dass ein einmaliges Anhören hierzu gar nicht genügt - ja die meisten großen Werke entfalten ihr volles Potenzial erst nach wiederholtem Anhören, und geben ihre komplexe Schönheit nicht sofort preis.“

Jenö Hajdu - Preisverleihung
Jenö Hajdu - Preisverleihung